So verbringen Österreicher ihre Freizeit

Abends erholen sich Herr und Frau Österreicher am liebsten beim Fernsehen, aber auch Radio hören, Zeitung lesen und im Internet surfen zählen zu den Lieblingsbeschäftigungen. Wenn die Zeit nicht Medien gewidmet wird, stehen vor allem Autofahren, Aktivitäten in der Natur und Freunde hoch im Kurs. Die vielen Kulturangebote werden ebenfalls gerne genutzt.

Für Österreicher zählt die Erholung in der Natur am meisten, Touristen sind die Berge am wichtigsten

Morgens die Zeitung, abends der Fernseher, dazwischen Radio und Internet – so könnte man das Mediennutzungsverhalten der Österreicher grob zusammenfassen. In einer Befragung von 15.000 Menschen fand der Verein Media Server (siehe auch Seite 18) für 2015 heraus, dass Printmedien vor allem in den Morgenstunden gelesen werden, Radio ebenfalls zu dieser Zeit seinen Höhepunkt erreicht, aber bis in die Abendstunden ein verlässlicher Begleiter ist, und dass TV besonders zur Prime Time zwischen 20 und 22 Uhr die meisten Zuschauer verzeichnet. Zumindest beim Fernsehkonsum unterscheiden sich die Österreicher unwesentlich von ihren deutschen und schweizerischen Nachbarn. Auch dort läuft abends in den meisten Haushalten der Fernseher. Dabei ist allen drei Ländern noch etwas gemein: Bei der Fernsehnutzung liegen sie europaweit unter dem Durchschnitt. Laut statista.com führte Rumänien (2014/2015) mit 327 gesehenen Minuten täglich, gefolgt von Serbien (315) und Ungarn (286). In der EU sind es insgesamt 232 Minuten. 161 Minuten täglich sehen die Österreicher fern, 223 die Deutschen und 144 sind es in der ranzösischsprachigen beziehungsweise 124 Minuten in der deutschsprachigen Schweiz.

Man erholt sich beim Fernsehen

Obwohl Österreich bei der Nutzung unter dem EU-Durchschnitt liegt, bleibt Fernsehen weiterhin unangefochten die Lieblingsbeschäftigung der Österreicher. Das gaben 60,6 Prozent der Bevölkerung in Interviews für die Media-Analyse, die halbjährlich den Medienkonsum der Bevölkerung erhebt, für den Zeitraum 2015/2016 an. Bei 51,7 Prozent läuft in der Freizeit das Radio, im Internet surfen 51,4 Prozent eher häufig. Wobei bei der Internetnutzung deutliche Unterschiede zum Nachbarland Deutschland sichtbar werden, wie das Institut für Freizeit- und Tourismusforschung (IFT) herausfand. Während 76 Prozent der Deutschen in ihrer Freizeit mindestens einmal pro Woche im Internet sind, sind es in Österreich nur 56 Prozent. 44 Prozent der Deutschen sind täglich im Netz, in Österreich sind es laut IFT nur 27 Prozent. „Da es bei der grundsätzlichen Nutzung nur einen geringen Unterschied gibt, liegt die Vermutung nahe, dass der Lebensstil der Österreicher nicht so digitalisiert ist wie jener der Deutschen“, erklärte Institutsleiter Peter Zellmann im regelmäßig veröffentlichten Forschungstelegramm die intensivere und häufigere Internetnetnutzung der Deutschen im Vergleich zum österreichischen Nachbarn. „Die Frage, ob das nun als Nachhinken zu interpretieren ist oder als Einsicht für eine höhere Lebensqualität bezeichnet werden kann, wird uns noch lange beschäftigen. Bis vor einigen Jahren war es nämlich noch eher umgekehrt.“ Wobei laut Österreichischer Webanalyse, einem Zusammenschluss von Online-Anbietern und Werbeagenturen, 94,4 Prozent der 14- bis 59-Jährigen regelmäßig online sind. Erst bei den über 60-Jährigen nimmt der Konsum ab und liegt bei 54,9 Prozent. Mobil nutzen das Internet bereits 70,3 Prozent der User mit einem leicht höheren männlichen Anteil, nur noch 29,7 Prozent nutzen das Internet ausschließlich stationär. Besonders hoch ist der Anteil der mobilen Nutzung bei den Jungen: 97 Prozent der 14- bis 19-Jährigen surfen bereits mobil im Netz.
Über die Medien informieren sich die Österreicher gerne auch zu Kultur- und Freizeitangeboten. Denn neben den vor allem bei Touristen beliebten Sehenswürdigkeiten hat das Land nicht nur in der Bundeshauptstadt Wien einiges zu bieten: mit größeren und kleineren Festen und Feiern, Veranstaltungen, Festivals und künstlerischen Darbietungen von Film über Musik bis hin zu Literatur und Malerei. Laut Media-Analyse informieren sich 13,5 Prozent der Bevölkerung über Bücher und 11,5 Prozent über Musik-Neuerscheinungen. Veranstaltungshinweise sind für 11,6 Prozent relevant, Kulturberichterstattung ist es immerhin noch für 8,9 Prozent.

Österreicher lieben Autos und Natur

Die Österreicher lieben aber nicht nur ihre Medien, ihr Herz hängt an auch ihren motorisierten Fahrzeugen, an Freunden und Natur. Laut Media-Analyse 2015/2016 zählen Autofahren (45,2), Spazierengehen (37,5), Freunde treffen (36,9), Sport betreiben (29,7), im Garten arbeiten (23,4), Musik hören (20,2), Sach- und Fachbücher lesen (16,1), Heimwerken (15,2) und auswärts essen (12,6) zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten. Teils mit weniger zur Verfügung stehenden Ressourcen wie Geld und Zeit, aber auch mit einer steigenden Angebotsvielfalt erklärt sich IFT-Leiter Zellmann eine im Vergleich zu vor zehn Jahren etwas rückläufige Tendenz bei traditonellen Freizeitbeschäftigungen wie Tanzen gehen, Wochenendfahrten, Besuch von Flohmärkten, Basaren und Freizeitparks. Dass Freizeit für jeden vierten Österreicher inzwischen Stress bedeutet, fand eine von der Allianz Versicherung in Auftrag gegebene Befragung unter 1.000 Berufstätigen zwischen 18 und 65 Jahren heraus. Wobei als Gründe auch familiäre Belastungen wie Kindererziehung, Aufgaben im Haushalt oder die Pflege der älteren Generation als massive Stressfaktoren genannt wurden. Doch auch hier sorgen die Bewohner der Alpenrepublik für Ausgleich – vor allem durch Bewegung an der frischen Luft. 28 Prozent der Befragten gaben an, Sport zu treiben, 26 Prozent gehen spazieren oder wandern. Mehrheitlich Frauen nannten Handarbeit, mehrheitlich Männer die Gartenarbeit als „Stresskiller“.

Was im Urlaub zählt

Wenn Österreicher verreisen, buchen sie am liebsten Bade- oder Erholungsurlaube (46,6 Prozent laut Media-Analyse). Ebenfalls beliebt sind Städtetrips (28,5), Wellness- und Gesundheits- (19,5), Aktiv- (16,6) und Wintersporturlaube (13,2). Das Abenteuer in Form von Safari und Trekking suchen nur 3,1, ihr Glück auf Kreuzfahrten 2,2 Prozent. 22,2 Prozent geben an, zu verreisen, um fremde Länder und Kulturen kennenzulernen, 23,6 Prozent fahren jedoch kaum oder nie in den Urlaub.
Wer innerhalb des eigenen Landes Ferien macht, dessen Präferenzen für bestimmte Regionen unterscheiden sich leicht von jenen ausländischer Gäste. Für Österreicher zählen in erster Linie Landschaft und Natur (45 Prozent), gefolgt von Bergen (35), Ruhe (34), Gastfreundschaft (29) und guten Erfahrungen in der Vergangenheit (28). Das ergab die Urlauberbefragung T-MONA 2013/14 der Tourismusorganisation „Österreich Werbung“. Ausländische Gäste entscheiden sich vor allem für Berge (66), erst danach kommen Landschaft und Natur (47). Für 39 Prozent ist das Wintersportangebot besonders wichtig, Ruhe (35) und Gastfreundschaft (32) haben für ausländische Gäste einen etwas höheren Stellenwert als für inländische. Bei den Aktivitäten der Einheimischen (ohne Tagesgäste) führt Spazierengehen mit 49 vor Wandern mit 48 und Restaurantbesuchen mit 41 Prozent. Im Winter sind Spazierengehen und Schifahren mit jeweils 41 Prozent am beliebtesten, 37 Prozent gehen am liebsten flanieren oder bummeln.

 

Gastfreundschaft im eigenen Land wird hoch geschätzt

 

 

Das ganze Heft zur Nachlese!