Starke Medien – Sieg für Print

Die Österreicher mögen ihre Medien: Egal ob TV, Radio oder Zeitungen, die Zuschauer, Hörer und Leser konsumieren loyal Medieninhalte. Dabei zeigen sie sich durchaus aufgeschlossen gegenüber neuen Produkten und Kanälen.

Zahlen lügen bekanntlich nicht: Eine aktuelle EU-Umfrage („Eurobarometer“) ergab, dass 72 Prozent der Österreicher meinen, ihre nationalen Medien würden vertrauenswürdige Informationen anbieten. EU-weit sagen das nur 53 Prozent über ihre Medien. Als besonders zuverlässig gilt dabei in Österreich das Radio, gefolgt von Fernsehen und Zeitungen. Soziale Medien, Blogs und Videoportale werden hingegen nur von vier von zehn Befragten in Österreich als vertrauenswürdig eingestuft. Diese Zahlen sind in Zeiten von Fake News offensichtlich ein deutlicher Beleg für den hohen Stellenwert, den Medien in Österreich genießen. Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch der Reuters Institute Digital News Report 2016. Demnach gelten traditionelle Medien wie Fernsehen oder Printmedien nach wie vor als stark genutzte Nachrichtenquellen und stehen noch immer vor Online-Medien und Social Media.

Digital aufgeschlossen,

Die Österreicher sind jedoch in ihrer Mediennutzung keineswegs konservativ. Laut den aktuellen Daten der Österreichischen Web-Analyse (ÖWA) beträgt der Anteil der Internetnutzer fast 84 Prozent. Bereits 70 Prozent der User nutzen das Internet mobil. Bei den 14- bis 19-Jährigen ist die mobile Nutzung mit 97 Prozent in der Zielgruppe besonders hoch. Was sie dort tun? Sie verwenden Suchmaschinen, versenden E-Mails und rufen das aktuelle Wetter ab. Apropos Suchmaschinen-Nutzung: Google erhob, wonach die Österreicher 2016 am häufigsten gesucht hatten: Die Fußball-Europameisterschaft Euro 2016 führt das Ranking an, gefolgt von Pokémon Go und David Bowie. Mit einer Reichweite von 3.215.000 Unique Usern (52 Prozent) pro Monat liegt das ORF.at-Network bei den Online-Angeboten laut ÖWA-Daten an erster Stelle, knapp gefolgt vom styria-digital-one-Dachangebot des drittgrößten österreichischen Medienhauses Styria Media Group und dem – ebenfalls zur Styria-Gruppe gehörenden – Bieterportal willhaben.at. Bei den Einzelangeboten führt hingegen willhaben.at (3.044.000 Unique User bzw. 49,2 Prozent) vor orf.at und dem zum Verlagshaus Standard gehörenden Infoangebot derstandard.at.

E-Paper-Strategie beflügelt Print

Rückläufige Auflagenzahlen vermelden international die meisten Printtitel. Zwar bleiben auch in Österreich Zeitungen und Magazine nicht von diesem Trend verschont, im internationalen Vergleich halten sich Auflagen und Reichweiten dennoch sensationell. Zudem gelingt es den Verlagshäusern zunehmend, mit innovativen Strategien am Leser-, Vertriebs- und Werbemarkt dem Abwärtstrend in den Printauflagen gegenzusteuern. Besonders die traditionell regional starken Bundesländerzeitungen konnten ihre verkauften Auflagen laut Österreichischer Auflagenkontrolle ÖAK annähernd halten. Beachtlich sind auch die deutlichen Zugewinne bei den E-Paper-Angeboten ihrer Medien, die teilweise bereits einen zweistelligen Anteil ausmachen.

Urbane Zentren und Gratis-Lieblinge

Die Bundeshauptstadt ist Hotspot von Gratis- und Boulevard-Medien. Die an hochfrequentierten Plätzen verteilten Titel „Heute“ und „Österreich“ kommen am wichtigen Lesermarkt Wien auf 33 bzw. 19 Prozent. Die ebenfalls am Boulevard-Markt kräftig mitmischende „Kronen Zeitung“, die größte Kauftageszeitung des Landes, kommt auf 26 Prozent (der bundesweite Leserkreis liegt allerdings bei 31 Prozent). Die hauptsächlich aus den sogenannten „Bezirksblättern“ bestehenden Titelreihen des Gratiszeitungsrings Regionalmedien Austria (RMA) – eine Kooperation der Styria Media Group und der Tiroler Moser Holding („Tiroler Tageszeitung“) – konnten leichte Auflagenzugewinne vorweisen.
Dennoch bleiben insgesamt die Gratis-Tageszeitungen weltmeisterlich. Laut „World Press Trends 2016“ verteilen Österreichs Gratiszeitungen 159,5 Exemplare pro 1.000 Einwohner – das gibt es in keinem anderen Land.

Aufregendes TV- und stabiles Radio-Jahr

2016 kam in die österreichische TV-Landschaft eine gewisse Unruhe: Im Frühjahr wollte Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz, Eigentümer des Red Bull Media House, aufgrund interner Querelen den hauseigene Sender Servus TV (Marktanteil 2016: 1,8 Prozent) – in Deutschland mittlerweile eingestellt – abdrehen. Der Plan wurde dann doch nicht umgesetzt. Seit Herbst wurde der Verkauf des österreichischen Privat-TV-Senders ATV (Marktanteil 2,5 Prozent) an die Mediengruppe ProSiebenSat.1 PULS 4 verhandelt, der Deal ist jetzt unter Dach und Fach. Die deutschen Senderfamilien rund um RTL und ProSieben (mit Marktanteilen von großteils etwa 4,5 Prozent) können mit ihren Werbefenstern in Österreich zusätzlich attraktive Werbeumsätze lukrieren – zum Leidwesen der nationalen Sender. Der staatliche Rundfunk ORF bleibt mit Marktanteilen zwischen zwölf und 21 Prozent (ORF eins und ORF 2) Platzhirsch. Im Radiobereich läuft alles stabil: Mit 184 gehörten Minuten und 77 Prozent Tagesreichweite gehört Radio in Österreich zu einem überdurchschnittlich genutzten Medium. Auch in dieser Gattung gibt es mittlerweile eine stattliche Anzahl an gut eingeführten Privatradios, wiewohl es sich großteils um regionale Sender handelt.

OOH überrascht positiv, Kino bleibt beliebt

Die Umsätze in der Mediengattung Kino sind anhaltend stabil. Im Jahr 2016 wurden rund 16,6 Mio. Kinobesuche gezählt. Out of Home (OOH) ist eine fixe Größe, gilt doch die Alpenrepublik als das Plakatland schlechthin. Hierzulande gibt es, gemessen an der Bevölkerungszahl, die höchste Dichte an Plakatflächen, vor allem in Ballungsgebieten, wo Kontaktdichte garantiert ist. Den Markt teilen sich vor allem zwei Anbieter: Epamedia mit 18.500 und Gewista mit 17.000 Plakatstellen. Die digitale Außenwerbung (Digital Out of Home, DOOH) zählt zu den Gattungen mit dem stärksten Wachstum. Neue Formate und Kombinationen entstehen in atemberaubendem Tempo, sodass mobile Menschen schnell und preiswert erreicht werden können.

Wien ist der Hotspot von Gratis und Boulevard-Medien

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